Das Habitat

Das Habitat, Jörg Lucius,SP bei amazon

Das Habitat, Jörg Luzius ist ein dystopischer Roman, der in der Ich-Form erzählt wird. Nach einer großen ökologischen Katastrophe, welche die Menschheit beinahe ausrottete, leben die Verbliebenen in Distrikten zusammen. Das sind kleine Dorfgemeinschaften, die unter den Regelungen der „Unverderbten Wahrheit“ organisiert sind. Diese gibt die Kirche aus. Strom, Plastik, Telefone – all dies existiert nicht mehr, und niemand spricht darüber. Der größte Feind der Gemeinschaft sind genetisch veränderte Pflanzen und Lebewesen. Liam lebt wie alle anderen in seinem kleinen Habitat, bis seine Mutter durch seltsame Umstände ums Leben kommt, und sein Vater verschwindet. Er macht sich auf die Suche nach ihm und erlebt dabei einige Abenteuer, erkennt Freunde als falsch und gewinnt Verbündete, wo er es nicht erwartet hätte.

Die Idee: Eigentlich finde ich die Idee ganz spannend, es lässt sich jedoch schwer vorstellen, dass im Jahre Zweitausend-und-noch-etwas jegliche Erinnerungen an elektronische Geräte ausgeschaltet sind und diese einfach keine Rolle mehr spielen. So wie heute schon die Lösung menschlicher Probleme in Technologie gesucht wird, würde dies in einigen Jahrzehnten, laut Geschichte der Zeitpunkt der Katastrophe, erst recht der Fall sein. Unwahrscheinlich also, dass gerade die Kirche die Macht übernimmt und als Troubleshooter zum Einsatz kommt. Erst recht, wenn gerade die Kirche selbst sehr wohl noch über Technologien verfügt und diese auch, besonders effektiv bei der Überwachung, einsetzt. Heute sind wir doch schon über den Punkt hinaus, an dem wir uns den Fortschritt als „verderbt“ deklarieren und verbieten lassen würden.

Auch den einfachen Rückfall in bäuerlich organisierte Lebensformen fand ich etwas langweilig. Von einer Dystopie wünsche ich mir etwas mehr Fiktion, weniger eine Rückschau.

Die Sprache: Der junge Ire Liam erzählt in der Ich-Form. Das ist eine schwierige Erzählperspektive, da der Erzähler naturgemäß über ein recht beschränktes Wissen verfügt und die Art, wie er Informationen erlangt, schnell etwas bemüht wirken kann. „Wie ich später erfuhr“, und „Erzählte man mir“ nutzen sich einfach schnell ab. Leider waren auch viele vermeidbare Fehler im Buch. Die Groß- und Kleinschreibung war ein wiederkehrendes Problem, ebenso fanden sich viele Flüchtigkeitsfehler.

Der Protagonist: Ich habe am Charakter des Liam keine Wandlung erfahren können. Er ist zu Beginn schon etwas „aufsässig“, denn er liest verbotene Bücher und stellt viele der als gegeben angenommenen Umstände in Frage. Und so ist er auch am Ende des Buches.

Show, don´t tell! Man kann es nicht oft genug sagen. Auch wenn das Buch durch die Erzählform einem Bericht sehr ähnelt, sollte man Sätze wie: „Er erwies sich als verlässlicher Freund“ lieber durch Begebenheiten verdeutlichen.

Fazit: eine gute Idee, die ausbaufähig ist. Ein Lektor hätte der Geschichte sicher gut getan. Auch wenn durchaus spannende Elemente und Überraschungen gab, konnte mich das Buch nicht wirklich fesseln. Die Auflösung eines Rätsels am Ende fand ich jedoch gut durchdacht, das hat mir einen Aha-Effekt verschafft.

 

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