Die Kristallwandler

 

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Zuerst einmal ein Hinweis: Die Kristallwandler ist kein Buch, das man mal eben an einem Nachmittag verschlingt. Man braucht etwas Zeit und Muße, um sich auf die Geschichte einzulassen, denn sie entführt in gänzlich fremde Welten, die jedoch lebendig beschrieben sind.

Zwei Völker lernen wir kennen, das eine lebt in einer kalten, dunklen Welt und kultiviert eine Lebensweise, die von Empathie und Mitgefühl geprägt ist. Niemand käme auf die Idee, Tiere zu essen oder Bäume zu fällen. Das andere ist ein kriegerisches, jagendes Volk, dessen Umgebung aus Vulkanen und heißen Geysiren besteht. Die Luft ist mit giftigen Dämpfen geschwängert, der Ton ist rau. In beiden Völkern gibt es magisch begabte Wesen, deren Macht gut sichtbar in ihrer Brust sitzt – Kristalle rotieren dort, und spenden bei Bedarf Energie, um verschiedene Zauber wirken zu können.

Beide Völker halten sich an die Ratschläge ihrer Götter: Während die kalten Aeniren spirituellen Kontakt zu ihrer Göttin Siadria pflegen, unterwerfen sich die heißen Koldaren ihrem unerbittlichen Gott Arkondos. Sie streben nach Macht und Reichtum und unterdrücken einen Teil ihres Volkes, eben wie Arkondos es ihnen empfiehlt.

Die Helden dieser Geschichte sind Elderas, ein schüchterner und von Selbstzweifeln geplagter Aenire, der mit Tieren und Bäumen kommuniziert auf der einen Seite, und Meruna, eine hitzige und grausame Koldarin, der Mitgefühl völlig fremd ist, auf der anderen.

Sturmbann, ein öder Landstrich, der die beiden Völker voneinander trennt, wird zum Begegnungsort der beiden konträren Völker: Während die Aeniren, durch Zauber vor der schrecklichen Hitze (über Null Grad ist schon ziemlich grausam) eine freiwillige Exkursion dorthin unternehmen, sind die Koldaren als Ausgestoßene dort. Hier begegnen sich Elderas und Meruna, und ihr Schicksal nimmt eine unerwartete Wendung.

Die Sprache: Anfänglich ist das Buch von einem geschickten Wortwitz geprägt, der sich im Laufe der Geschichte etwas verliert. Die Autorin schafft es, die verschiedenen Orte so atmosphärisch zu beschreiben, das man sie vor Augen hat. Auch die Charaktere sind durchweg lebendig gezeichnet und entwickeln sich. Auch wenn ich kein Fan von Landschaftsbeschreibungen bin, sehe ich die verschiedenen Orte auch nach dem Lesen noch vor mir. Ein Punkt der mich irritiert hat: Die Rassen der Aeniren und Koldaren werden als menschlich bezeichnet. Vielleicht hätte eine andere Bezeichnung hier besser gepasst – es sei den man legt zugrunde, dass die Völker verschiedene konträre Aspekte der Menschheit repräsentieren.

Die Geschichte: Der Großteil des Buches spielt in den jeweiligen Welten, erst die letzten 20% sind der Begegnung der beiden so verschiedenen Gruppen gewidmet. Hier verhalten sich alle Protagonisten authentisch. Meruna ist diejenige, welche die größten Entwicklungsschritte macht, denn die liebevolle und sorgende Haltung der Aeniren schafft es, ihr Herz zu berühren. Ich hätte mir gewünscht, dass diesem Teil der Geschichte ein größerer Platz eingeräumt worden wäre. Ich denke, die meisten Menschen haben ein wenig von dem empathischen Elderas und der hitzigen Meruna in sich, doch was ist nötig, um die beiden zu vereinen? Sie wissen nicht, was sie eigentlich verbindet, doch das Band zwischen ihnen ist stark.

Es gibt eine Schlüsselszene, in der sich die beiden Götter „materialisieren“ – hier noch einmal anknüpfen zu können, hätte ich mir gewünscht. Arkondos hätte vielleicht der Sohn von Siadria sein können, diesen Gedanken fand ich ganz reizvoll.

Das Buch ist auch religionskritisch, was deutlich wird, als die Koldaren in ihrem neu erschaffenen und vergleichsweise harmonischen, weil demokratisch geführten Zuhause von einem aus den eigenen Reihen bedroht werden: Er bedrängt sie, sich ihrer von Arkondos auferlegten Pflicht zur Sklaverei erneut zu unterwerfen, da ihre Seelen sonst auf ewig verdammt seien. Damit zettelt er einen Bürgerkrieg in den Reihen der Koldaren an, der auch die Aeniren in Gefahr bringt.

Das Ende: Nun, ich mag Happy Ends, auch wenn dieses etwas überraschend kommt. Eigentlich ist hier eine Fortsetzung fällig!

Fazit: Ein besonderer Roman, der besonders Fans von „Der Herr der Ringe“ und ähnlichen Werken gefallen dürfte. Ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen.

 

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