Die letzten Tage von Rabbit Hayes

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Auf dieses Buch wurde ich durch die Fernsehwerbung aufmerksam, und ich habe erst mit mir gerungen, ob ich es lesen möchte. Eine Frau, beinahe in meinem Alter, die den Kampf gegen den Krebs verloren hat und weiß, dass sie nicht nur ihre Eltern und Freunde, sondern auch ihre kleine Tochter zurück lassen muss…der bloße Gedanke treibt einem ja die Tränen in die Augen, ist dies doch eine der Situationen, vor denen wir uns im Stillen am meisten fürchten. Doch meist drängen wir diese Angst zur Seite und sind froh, nicht damit konfrontiert zu sein.

Dem macht dieses Buch natürlich ein Ende. Beim Lesen macht man also nicht nur eine Reise durch Rabbit´s letzte Tage, sondern auch durch die eigene Gefühlswelt. Gibt es eigentlich jemanden, der bei der Lektüre nicht geweint hat? Ich glaube nicht. Und doch schafft die Autorin es immer wieder, dass man unter Tränen schmunzeln muss.

Worum geht es? Rabbit liegt eines Tages mit einem offenen Beinbruch in der Küche und muss erfahren: Der Krebs, den sie erfolgreich bekämpft hatte, ist zurück und hat böse kleine Freunde mitgebracht. Die letzten neun Tage ihres Lebens markieren die Kapitel des Buches, beginnend mit der Fahrt ins Hospiz, die sie mit ihrer kämpferischen Mutter und im Morgenmantel bewältigt. In einer bezaubernd schlichten Sprache schafft es Anna McPartlin, alle möglichen Arten des Umgangs mit Trauer, Angst und Verlust anhand der lebendig gezeichneten Charaktere von Rabbits Familie und Freunden darzustellen. Es verwundert nicht, dass die Geschichte auch einen autobiografischen Hintergrund hat.

Im Laufe der Geschichte lernen wir das Leben und Sterben der Rabbit Hayes kennen. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht eine gewisse Dynamik, und es ist auch Raum für eine große Liebesgeschichte.

Als Rabbit sich nicht mehr ausdrücken kann, haben wir als Leser dennoch teil an ihren Gedanken. Wir dürfen sie bis zum letzten Moment begleiten….das hinterlässt nachhaltig Eindruck und wird so manchen noch eine Weile nach der Lektüre beschäftig haben. Und tatsächlich ist es ein wenig so wie in der Werbung versprochen -man möchte gleich zu seinen Lieben laufen und sie fest in den Arm nehmen.

Die Sprache des Buches ist locker, umgangssprachlich und macht damit den Zugang für eine große Leserschaft leicht. Der Tod ist allgegenwärtig, und doch ein Tabu – mit dieser Geschichte rückt er in unsere Mitte und verliert, so absurd das klingen mag, ein wenig von seinem Schrecken.

Diese Art von Büchern führt sozusagen ein Stellvertreter-Dasein: Sie können einen kleinen Beitrag leisten, dass elementare Lebenssituationen, zu denen der Tod nun einmal gehört, für uns erlebbar werden. Lebten wir noch in größeren Verbänden zusammen, gehörten Geburt, Krankheit und Tod viel selbstverständlicher zu unserer Umgebung, und würden automatisch von mehreren Schultern getragen werden. Denn auch wenn die Familie das Wichtigste ist – diesem Tenor des Buches stimme ich uneingeschränkt zu – ich kann nicht anders als auch an die Menschen zu denken, die ihren letzten Weg (fast) ganz allein gehen müssen.

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