Homo Vitrus

 

Homo Vitrus (bei amazon)

Dieses Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits liegt ihm eine gute Idee zugrunde, andererseits wurde das Potenzial nicht voll entfaltet. Die Zuordnung zu einem bestimmten Genre und damit verbunden die Ausschöpfung der Genre-Regeln hätten der Story gut getan.

Die Geschichte: Zwei Freunde machen einen Tauchgang im „Schwarzen Schlund“, als ein Erdbeben den Odenwald erschüttert. Dadurch wird ein Höhlensystem geöffnet, in das einer der Taucher gerät. Tom entdeckt menschliche Knochen und eine unbekannte Pilzart, die er beim Auftauchen seinem Freund Bernd zeigt. Tom riecht schon den Ruhm, der durch diese Entdeckung seiner Person zuteil werden könnte – Bernds wissenschaftliches Interesse ist geweckt, denn er arbeitet an der Universität. Natürlich tauchen die beiden ein weiteres Mal in die Höhle und entdecken die seltsamen Wesen, die dort leben. Sie sehen menschlich aus, sind jedoch blind und haben eine durchscheinende Haut. Anscheinend haben sie sich parallel zur Menschheit entwickelt, sie haben eine eigene Sprache, Religion und Kultur. Die Entdeckung bleibt nicht geheim, Wissenschaft und Öffentlichkeit stürzen sich auf den Fund und setzen, ohne Rücksicht auf Verluste, ihre jeweils eigenen Interessen durch.

Spannung: Die Schilderungen aus der Höhle fand ich wirklich spannend. Mit viel Fantasie wurde hier ein parallele Welt kreiert, der Einblick in die Gedanken einer dieser „Höhlenfrauen“, Zia, ermöglicht dem Leser einen intensiven Zugang. Zia und Tom entwickeln eine Beziehung zueinander, die mit viel Sensibilität geschildert wird.

Ein Großteil des Buches dreht sich jedoch um den Umgang der verschiedenen Interessengruppen mit dem Höhlenfund. Die recht plakativen Schilderungen lassen jedoch die Spannung aus dem ersten Teil des Buches vermissen. Der Autor betreibt soziale Kritik, sowohl am Wissenschaftsbetrieb als auch an den Medien und der Öffentlichkeit. Hier wird dem Leser jedoch nicht zugetraut, eigene Schlüsse zu ziehen, die Meinung wird quasi schon fertig serviert.

Positiv ist die Entwicklung des Hauptcharakters Tom, der vom Egozentriker zum mitfühlenden Menschen wird.

Die Sprache: Die Sprache der Geschichte ist gut lesbar an der Grenze zum Umgangssprachlichen. Sie hätte an vielen Stellen noch einen gewissen Schliff vertragen können.

Fazit: Ein Potpourri verschiedener Genre – ein bisschen Abenteuerroman, eine Prise Wissenschaftskrimi, ein Hauch Fiktion – das der guten Idee nicht wirklich gerecht wird.

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