Katharina, Marie und ihre vier Männer

Katharina, Marie und ihre vier Männer

Katharina, Marie und ihre vier Männer ist ein moderner Briefroman. Das Buch dreht sich um die Gespräche zwischen zwei Frauen, die eigentlich glücklich sein sollten, denn beide sind mit ganz passablen Männern verheiratet und recht erfolgreich im Beruf. Man könnte sagen, ihr Leben plätschert in seiner Mittelmäßigkeit vor sich hin, die den beiden zum Verhängnis wird. Keine tödlichen Krankheiten, keine spannenden Konflikte, nur ein wenig Mittelklasse-Langeweile und ein unerfüllter Kinderwunsch.

Der Briefroman

Der Briefroman ist kein neues Genre. Diese Literaturform erlebte im Europa des 18. Jahrhundert gleichzeitig mit einer lebendigen Briefkultur seine Blütezeit. Man schrieb, man schmachtete, man fühlte, und der Briefroman trieb die Erkundung der Emotion in ungeahnte Tiefen. Eine neue Art der Intimität entstand, der Leser wurde zum Vertrauten, zum Wissenden, zum Anteilnehmenden.

Oft gelesen, kopiert und parodiert wurden beispielsweise die Briefromane von Samuel Richardson, aber auch Rousseau und besonders Choderlos de Laclos und Goethe mit seinem Werther hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Leser ihrer Zeit – und die nachfolgenden.

Warum wählt man eine Gattung, ein Genre aus, bevor man ein Buch schreibt? Niemand schreibt im luftleeren Raum, man ist stets auch der Tradition verpflichtet, die man ironisch überspitzen, ablehnen oder fortführen kann. Nichts von alldem ist bei  Katharina, Marie und ihre vier Männer geschehen. Im Licht des Anspruchs und der Wirkung vergangener Briefromane muss leider festgestellt werden, dass Katharina, Marie und ihre vier Männer misslungen ist. Die beiden Autorinnen sind Journalistinnen. Vielleicht hätte ein Romanautor als Journalist ebenso wenig Erfolg?

Die Geschichte

Katharina und Marie kommunizieren hauptsächlich in Schriftform, weil sie in weiter Entfernung wohnen. Zufälligerweise verlieben sich beide in andere Männer, weil sie mit ihrer jeweiligen Ehe nicht mehr zufrieden sind. Da wird sinniert und lamentiert, wie viel Prozent der eigenen Bedürfnisse ein Mann eigentlich befriedigen können sollte. Der andere, neue Mann scheint da viel verlockender, auch wenn er selbst verheiratet ist.

Die Sprache bleibt seltsam distanziert. Auch wenn versucht wird, beispielsweise durch das Einflechten von Kindheitserlebnissen eine psychologische Tiefe zu erschaffen, bleiben die Figuren flach und oberflächlich. Vielleicht passen sie deshalb gut in unsere Zeit?

Achtung, Spoiler:

Beide Frauen leben den Betrug aus. Die eine findet den Weg zum Mann zurück, bei der anderen findet der Mann den Weg in die Ferne. Es gibt eine Stelle im Buch, die wirklich hatte interessant werden können: als es darum geht, dass eine der beiden mehr oder wenig freiwillig gemeinsam mit den Kindern des anderen Mannes in eine Wohnung zieht. Oh, eine halbherzige Stiefmutter und zwei Halbwüchsige, frisch getrennte unter einem Dach! Stoff für so viel spannenden Konflikt! Leider wird diese Gelegenheit nicht genutzt, und es läuft alles „ganz gut“ mit den Kindern. Wie langweilig!

Fazit

Es gibt eine Stelle der Selbstreflexion, die mich zum heftigen Nicken brachte: Wie kann ich so oberflächlich sein, fragt eine, habe ich keine ernsthaften Probleme? Tatsächlich, eine berechtigte Frage. Die Figuren entwickeln sich nicht weiter. Am Ende sind sie – innerlich – an derselben Stelle wie zuvor. Die Geschichte hat keine Moral, sie bezieht nicht Stellung, bleibt unverbindlich.

 

 

 

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