Über

Gleich, als ich in die Schule gekommen war, befand mich meine Mutter als reif genug, einen eigenen Ausweis für die Bücherei zu bekommen. Ich wagte nicht, diesen selbst zu unterschreiben, da ich mich des Schreibens noch nicht mächtig genug fühlte. Das sollte sich ändern. Von da an war die Bibliothek mein zweites Kinderzimmer. Zunächst lieh ich mir nur Bücher aus, so wie das jedes normale Kind tat. Einmal pro Woche fuhr ich mit einer schweren Tasche in der Straßenbahn durch die halbe Stadt, stapelte meine Bücher auf den Tresen und durchforstete die Regale nach neuem Lesestoff. Ich nahm so viele Bücher wieder mit heim, wie ich tragen konnte, und las sie abends unter der Bettdecke.

Doch irgendwann genügte das nicht mehr. Ich war ungefähr 9, als ich begann, in der Bücherei zu arbeiten. Damals wurden die Ausleihen auf der Karteikarte jedes Buches notiert. Ich lernte das alphabetische Sortieren, ordnete die Karten und Bücher und wurde mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, zerfledderte Bücherrücken zu leimen. Ich habe es geliebt.

 

Als ich 11 war, verließen wir meine Heimatstadt, Dresden. Ich durfte mich nicht von meinen Freunden verabschieden, sondern war von einem auf den anderen Tag verschwunden. Ich hätte versehentlich verraten können, das meine Familie freiwillig in den „bösen Westen“ zog, also hielt man mich zum Schweigen an. Was ich mitnahm, war meine Liebe zu Geschichten und das Faible für Bibliotheken, das mittlerweile durch den E-Reader abgelöst wurde.

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2 Kommentare

  1. Hallo ^^
    Ich habe vor wenigen Tagen mein erstes Buch veröffentlicht und wollte nun fragen, ob Du eventuell an einem Leseexemplar Interesse hättest. Der Titel des Buches lautet »Berufen – Gefangen in Flammen« und bildet den ersten Teil einer Trilogie. Es geht um einen Jungen, dessen Schicksal durch die griechische Mythologie schlagartig verändert wird… Interessiert? amzn.to/1ES7hpI Einfach mal anschauen und mich bei Interesse wieder anschreiben  Würde mich auf jeden Fall wahnsinnig freuen, da man es als junger Autor nicht leicht hat…
    Liebe Grüße
    Nico Abrell 

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