Was sind eigentlich Selfpublisher?

Dieser Beitrag richtet sich an Leseratten und Wort-Liebhaber, an Geschichten-Fans und E-Reader Nutzer. Gestern las ich in einem Beitrag, Selfpublishing sei relativ sinnlos, da Leser ohnehin nicht wüssten, was ein Selfpublisher ist, und sich demnach auch nicht für sie oder ihre Bücher interessieren würden.

Ist das wirklich so? Schweben wir in unserem eigenen Kosmos, abgeschnitten vom Buchmarkt und der geneigten Leserschaft?

Was ist ein Selfpublisher?

Zum Verständnis: Selfpublisher, auch Indie-Autoren genannt, sind Schriftsteller die ihre Werke selbst verlegen. Sie wählen selbst aus, worüber sie schreiben wollen – unabhängig von aktuellen Trends und Verlagsvorgaben. Sie haben nämlich keinen Verlag, der ihre Bücher lektoriert (und dabei teilweise stark eingreift), ihr Cover designt, die Buchhandlungen beliefert und Werbung für die Bücher macht. Möglich wurde das durch Amazon, dass die Publikation selbst verfasster Bücher und deren Vertrieb auf elektronischen Lesegeräten unterstützt, und damit den Buchmarkt für quasi jedermann geöffnet hat.

Auch hier gilt jedoch, dass sich auf Dauer Qualität durchsetzen wird – wer von einem Buch enttäuscht ist wird sicherlich kein weiteres Werk desselben Autoren bestellen. Selfpublisher beziehen ihre Leser und Fans auch stärker in den Entstehungsprozess ein- über das nächste Cover kann online abgestimmt werden, oder Kapitel werden schon vorab veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Hier bieten sch ganz neue Chancen der Leser-Autoren Beziehung und Interaktion.

Selbstverleger in Zahlen

Laut der Selfpublisher-Bibel gibt es in Deutschland ca. 70 000 Selfpublisher, die im Schnitt zwischen 35 und 50 Jahren alt sind und bei amazon einen Gesamtumsatz von 15 Mio Euro generiert haben (2013). Selbst publizierte Bücher sind meist preiswerter als Verlags-eBooks, dennoch verdienen die Autoren mehr an jedem Buch als unter Vertrag stehende Autoren. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass professionelles Lektorat, Korrektorat und Coverdesign finanzielle Vorleistungen erfordern. Werbung, die zumeist in sozialen Netzwerken abgesetzt wird, kostet mindestens eine Menge Zeit.

Die Motivation von Selfpublishern

Mit dem Thema Verlagssuche habe ich mich selbst schon Anfang der 90er Jahre beschäftigt, und ich kann mich lebendig daran erinnern, mehrere Manuskripte auf der Schreibmaschine abgetippt zu haben um sie dann in großen Umschlägen an verschiedene Verlage zu senden.  Wer sein Buch gern bei einem Verlag unterbringen möchte, dem empfehle ich einen Literaturagenten zu engagieren. Abgelehnt zu werden kann an den Nerven kratzen, und in diese Kerbe schlagen DKVZ-„Verlage“, von denen grundsätzlich abzuraten ist. Diese Dienstleister kassieren vom Autoren einen Druckkostenzuschuss, der leicht mehrere Zehntausend Euro betragen kann. Also: Wann immer ihr etwas dafür zahlen sollt, dass euer Buch verlegt wird, spritzt mit Weihwasser und sucht das Weite.

Zurück zu den Indie-Autoren: Es ist nicht so dass sich hier nur Schreiber tummeln, die bei Verlagen keine Chance haben. Ungefähr die Hälfte der Selfpublisher war schon bei einem Verlag unter Vertrag. Die wichtigste Motivation für diese Autoren ist die völlige Freiheit bei Inhalt, Gestaltung und Vermarktung des eigenen Buches. Statt lange nach einem Verlag zu suchen lädt man sein Buch ganz einfach über entsprechende Tools hoch und schon steht es den Lesern zur Verfügung.

Und was bedeutet das für mich als Leser?

Wer gerne bei amazon Bücher kauft und stöbert, anstatt nach einem bestimmten (Bestseller-) Titel zu suchen, stolpert früher oder später über selbst verlegte Bücher. Man erkennt sie meist am günstigen Preis, und das ist auch schon der größte Unterschied. Das selbst verlegte Bücher qualitativ schlechter sind als die Exemplare von Verlagen mag zu den Anfangszeiten von Selfpublishing hier und da zugetroffen haben, mittlerweile ist das jedoch unter „Vorurteil“ einzuordnen. Die meisten Autoren arbeiten hart an ihrer Professionalität und engagieren Lektoren und Designer, um ein rundes Produkt anzubieten. Jeder Interessierte kann anhand der Leseprobe feststellen, ob ihm die Sprache des Autoren zusagt, auch die Bewertungen lassen (begrenzt) Rückschlüsse zu. Viele Selfpublisher nehmen am Programm Kindle Unlimited teil,  dass das kostenlose Ausleihen von Büchern ermöglicht (auch hier bekommen die Autoren eine Vergütung). Auch der Kauf von gedruckten Büchern ist bei selbst verlegenden Autoren keine Unmöglichkeit – diese werden, sofern vom Autor eingerichtet, direkt nach dem Kauf gedruckt und an den Leser versendet.

Also: Falls Sie als Leser die Welt der Selfpublisher noch nicht entdeckt haben, starten Sie Ihren eReader und los gehts! Sie werden eine Vielzahl an engagierten Büchern finden, die „mit Herzblut“ geschrieben sind.

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