Die Leihtochter

Die Leihtochter, Cordula Hamann, books2read, bei amazon

Auf dieses Buch bin ich in einer Facebook-Gruppe aufmerksam geworden, und fand, dass sich der Plot recht spannend anhört. Ich liebe ja Geschichten, und eine Leihmutterschaft, das klingt so wunderbar konfliktbeladen  und emotional.  Ich beginne meine Rezension dennoch damit, wie die Sprache auf mich gewirkt hat.

Wäre Cordula Hamanns Sprache ein Klavier, würde man sie wohl als sehr gut gestimmt empfinden. Die Professionalität der Schreiberin ist durchgehend präsent, ihre Akkorde entsprechend der Noten des Stücks harmonisch und angemessen. Mir persönlich ist die Klangfarbe jedoch etwas zu „bieder“, zu „erwachsen“. Ich musste mich vergewissern, dass „Die Leihtochter“ wirklich Anfang diesen Jahres erschienen ist. Wäre Codula Hamanns Sprache ein Kleidungsstück, dann wäre es ein schicker und gut sitzender Hosenanzug. Das ist ein Kompliment von Herzen, aber ich mag eben lieber die bunten Flatterröcke.

Vielleicht liegt es aber auch wenig an der Geschichte, oder an dem gezeichneten Frauenbild dieses Romans. Protagonistin Katharina verkauft ihren Bauch und stellt sich als Leihmutter für ein ungewollt kinderloses Paar zur Verfügung. Aber warum fühlt sie sich dazu genötigt? Ihr Verlobter Rolf hat durch einen dummen Fehler große Geldprobleme verursacht, und anstatt den Idioten, der sich auch im Laufe der Geschichte nicht zu einem starken Charakter entwickelt, in den Wind zu schießen, geht Katharina heimlich mit dem Leihvater ins Bett. Denn ob die Leihmutterschaft als Geldquelle in Frage kommt, wurde mit Rolf nicht abschließend diskutiert – Katharina entscheidet eigenmächtig. Auch Eva, die Frau des gut betuchten Industriellen ahnt nicht, auf welchem Weg es zu der angestrebten Schwangerschaft kommen soll, und glaubt an eine künstliche Befruchtung. Das fand ich spannend und gut beschrieben, mit welchen Gefühlen Katharina in dieser Situation zu kämpfen hat.

Wie es das Schicksal so will, entstehen Zwillinge. Der Leihvater möchte aber nur eines davon, und dass zwei Kinder geboren werden, verschwiegt er auch seiner Frau. Also bleibt eines der Mädchen bei Katharina. Und jetzt wird die Geschichte etwas absurd, denn, Achtung, Spoiler!, das andere Mädchen wird todkrank und durch eine, man könnte sagen, fantasievolle Wendung und einer ordentlichen Portion krimineller Energie durch die gesunde Schwester ersetzt. Das einzig Gute ist, dass Rolf an dieser Stelle endlich von der Bildfläche verschwindet.

Mir scheint, dass Katharina erst durch ihre Muttergefühle etwas an Tiefe gewinnt. Bis auf die gut erzählten, emotionalen Konflikte, die man bei diesem Thema erwartet, bleibt die Protagonistin für mich etwas flach und eindimensional, und in ihrer typischen Weibchenrolle vor allem unsympathisch. Sie macht sich selbst benutzbar für die Männer in ihrer Umgebung. Für den reichen, kinderlosen Mann und für ihren Verlobten, der nicht nur ein Problem herbeigeführt hat, sondern ihren Einsatz auch noch mit mangelnder Dankbarkeit honoriert. Das wird besonders klar an der Stelle, als Rolf, nachdem er die Wahrheit über die Schwangerschaft und ihr Entstehen erfährt, sie beinahe vergewaltigt, um seine Besitzansprüche klar zu machen. „Folgsam drehte sie sich um…“. Na, danke.

Was mir auch seltsam vorkam war, dass ein Kind, das sich auf einmal im Leben eines anderen Kindes befindet, dies einfach so hinnimmt. Ihr werden die Haare rasiert, sie steckt in fremden Klamotten, wohnt in einem fremden Zimmer und ist von fremden Menschen umgeben. Da reichen auf die Beruhigungsmittel, die ihr verabreicht werden, als Erklärung nicht aus. Was an diesem Part der Geschichte jedoch wieder spannend war, waren die seelischen Nöte des Verursachers. Man kann gut nachvollziehen, warum er so handelte, und leidet bei seinen Konflikten mit.

Das Ende kommt dann ziemlich rasch, und zeigt wieder einmal Katharinas auf mich seltsam wirkenden Charakter. Sie klärt die fremde Mutter nämlich darüber auf, dass ihr urplötzlich genesenes Kind eigentlich nicht ihres ist, und fährt dann wieder nach Hause. Nach einer Woche wird ihr die Tochter dann gebracht – mit dieser Lüge konnte die ungewollt kinderlose Eva nicht leben. Aber ich muss mich fragen: Welche Mutter fährt ohne ihr totgeglaubtes, gestohlenes Kind nach Hause? Insofern ist Katharina konsequent gezeichnet, denn auch hier lebt sie ihre Passivität aus.

Fazit: Ein spannendes Thema, eine polarisierende Protagonistin und ein paar interessante, manchmal absurde Wendungen machen dieses Buch zwar lesenswert, aber es zählt nicht zu meinen Lieblingsgeschichten.

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