Bücher verändern die Welt – Stummer Frühling

Man mag geneigt sein zu sagen, ein Buch könne nichts an der Welt ändern – doch das stimmt nicht. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist Rachel Carsons: Silent Spring (Der stumme Frühling).
Carson hatte Literatur studiert, bevor sie zur Biologie wechselte, und verband in ihren Büchern ihre beiden Leidenschaften – die Zusammenhänge in der Natur beschrieb sie wissenschaftlich fundiert und poetisch zugleich. Die Qualität ihrer Arbeit bescherte ihr den verdienten Erfolg als Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Ihr wichtigstes Buch wurde jedoch Silent Spring. Alarmiert vom massenhaften Einsatz von DDT in den 50er Jahren und seinen tödlichen Auswirkungen recherchiert Carson vier Jahre lang, bevor sie zu schreiben begann.

Sie las etliche Studien und ging Hunderten Einzelfällen nach, bei denen es nach dem Einsatz von DDT zu Erkrankungen von Menschen und ökologischen Schäden gekommen war. Jedes Kapitel ließ sie von Experten gegenlesen, mit denen sie durch ihre vorherigen Arbeiten vernetzt war.
Auch wenn sie sich einer mächtigen Lobby gegenüber sah, die ihre finanziellen Interessen auf jeden Fall verteidigen wollte, und selbst durch eine Krebserkrankung geschwächt war, ließ sich Carson nicht beirren und veröffentlichte 1962 Silent Spring – Stummer Frühling.
Wie erwartet wurde das Werk heftig kritisiert. Man diffamierte Carson als ausländische Verschwörerin, die die amerikanische Lebensmittelproduktion zerstören wolle, als Kommunistin, alte Jungfer, hysterisch. Eine Vielzahl an Artikeln mit Gegendarstellungen wurde veröffentlicht. Monsanto (!) schoss mit der Satire: Das trostlose Jahr, das eine düstere Welt ohne Pestizideinsatz beschrieb, zurück.
Nichtsdestotrotz hatte Silent Spring, das von vielen anderen Wissenschaftlern bestätigt und von Carson ruhig und bedächtig verteidigt wurde, erheblichen Einfluss auf die amerikanische Umweltbewegung. Deren Verbände waren zuvor meist locker organisiert und unpolitisch – nun nahmen sie Einfluss auf die Politik, zahlreiche weitere Verbände entstanden. Nicht mehr das US-Landwirtschaftsministerium, sondern eine neu gegründete Behörde war nun für die Regulierung des Pestizideinsatzes verantwortlich.
Rachel Carson hat es geschafft, für dieses Thema eine breite Öffentlichkeit zu gewinnen, Menschen aufzuklären und zu ermutigen, ihre Interessen zu verteidigen. Ihre Erkenntnisse gehören heute zum Allgemeinwissen.
1972 wurde der Einsatz von DDT in den USA weiträumig verboten – viele andere Länder zogen nach.

3 Kommentare

  1. Hi Ela,

    das klingt nach einem hochinteressanten Buch. Ähnliches muss sich in den USA damals bei der Zuckerlobby abgespielt haben – sogar Zahnärzte bestritten jahrelang den Zusammenhang von Süßigkeiten und Karieserkrankungen.

    Viele Grüße,
    Benjamin

    1. Hi, Benjamin!
      Ja, Lobbys sind teilweise hoch gefährlich. Übrigens bestreiten manche Industrien heute noch, dass Zucker Karies verursacht, bzw. von den Bakterien geliebt wird. Ich weiß nur grad nicht mehr auf welcher Seite ich das gelesen habe. Da hieß es aber: Karies wird maßgeblich Kohlenhydrate verursacht. Beinahe lustig, oder? LG! Ela

      1. Hi Ela,

        lustig, wenn es nicht so ernst wäre. Das erinnert mich an den Film „Thank You for Smoking“. Ich denke, jede Lobby versucht, die Risiken herunterzuspielen oder vollständig zu relativieren. Zum Glück gelingt das durch die heutige Informationsfreiheit nicht mehr so einfach wie z.B. vor 60 Jahren.

        Beste Grüße,
        Benjamin

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